Wie wird Schulentwicklung Teil der Organisation?
Diesen Mittwoch 27. Mai 2026 war ich am Quiss (https://www.quiss.ch/) Treffen.
Die Schule Dorf aus Dietlikon stellte vor, wie sie Lernen neu organisiert und sich intensiv mit Kompetenzorientierung, Lernprozessen und Unterrichtsentwicklung auseinandersetzt.
Solche Einblicke faszinieren mich immer wieder. In den letzten Jahren durfte ich viele Schulen kennenlernen, die mit grossem Engagement neue Wege gehen und sich zentrale Fragen stellen:
- Wie lernen Kinder?
- Welche Kompetenzen benötigen sie?
- Wie organisieren wir Lernen?
- Wie gestalten wir Beurteilung?
- Wie schaffen wir mehr Eigenverantwortung und Selbstständigkeit?
Diese Fragen berühren den Kern von Schule.
Und gleichzeitig beschäftigt mich seit längerer Zeit eine weitere Frage:
Weshalb gelingt es manchen Schulen, solche Entwicklungen nachhaltig in ihrer Organisation zu verankern, während andere trotz grossem Engagement immer wieder an ähnlichen Themen arbeiten?
Entwicklung sichtbar machen
In vielen Schulen entstehen beeindruckende Projekte.
Neue Unterrichtsformen werden erprobt. Teams entwickeln gemeinsame Ideen. Führungspersonen investieren viel Zeit und Energie in Schulentwicklung.
Spannend wird es für mich dort, wo sich die Frage nach der Nachhaltigkeit stellt.
Woran erkennen wir, dass Entwicklung Teil der Organisation geworden ist?
Zum Beispiel:
- wenn neue Mitarbeitende ähnliche Qualitätsvorstellungen übernehmen
- wenn Unterrichtsqualität über verschiedene Klassen hinweg sichtbar wird
- wenn Zusammenarbeit Orientierung schafft
- wenn gemeinsame Sprache entsteht
- wenn Entscheidungen auf ähnlichen Grundannahmen beruhen
- wenn Qualitätsvorstellungen über längere Zeit stabil bleiben
Dann scheint sich etwas zu reproduzieren, das grösser ist als einzelne Personen oder einzelne Projekte.
Die spannende Frage hinter der Schulentwicklung
Viele Diskussionen drehen sich um pädagogische Inhalte.
Zum Beispiel:
- kompetenzorientierte Beurteilung
- selbstorganisiertes Lernen
- Lernlandschaften
- Förderkonzepte
- Lehrmittel
- Unterrichtsformen
Diese Themen sind wichtig.
Mich interessiert zunehmend die Frage, welche Bedingungen dazu beitragen, dass solche Ideen Teil der Organisation werden.
Dabei beschäftigen mich Fragen wie:
- Welche Vorstellungen von Lernen teilen wir?
- Woran erkennen wir Wirkung?
- Welche Qualitätsvorstellungen prägen unser Handeln?
- Welche Kommunikation unterstützt Entwicklung?
- Welche Kommunikation schafft Orientierung?
- Welche Muster tragen dazu bei, dass Lernen und Entwicklung sichtbar werden?
Der Beitrag systemischer Organisationsdiagnosen
In unserer Arbeit als systemische Organisationsberater:innen erleben wir immer wieder, wie wertvoll es sein kann, gemeinsam auf die Organisation zu schauen.
Dabei geht es um Fragen wie:
- Worüber sprechen wir häufig?
- Welche Themen erhalten Aufmerksamkeit?
- Welche Bilder von Lernen prägen unsere Entscheidungen?
- Wie erklären wir uns Erfolg?
- Wie erklären wir uns Herausforderungen?
- Welche Erwartungen verbinden wir mit guter Schule?
- Welche Muster zeigen sich über längere Zeit?
Solche Fragen eröffnen oft neue Perspektiven auf die eigene Organisation.
Sie helfen dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen und gemeinsame Hypothesen darüber zu entwickeln, wie Entwicklung entsteht.
Qualität gemeinsam sichtbar machen
Besonders spannend finde ich dabei die Arbeit an Qualitätsleitbildern.
Für mich sind Qualitätsleitbilder keine Dokumente.
Sie sind Gesprächsanlässe.
Sie schaffen einen Raum, um gemeinsam über Qualität zu sprechen.
Zum Beispiel:
- Woran erkennen wir eine gute Lernorgansiation (Unterricht)?
- Woran erkennen Kinder lernförderliche Begleitung?
- Wie zeigt sich gute Zusammenarbeit?
- Welche Verhaltensweisen fördern Lernen?
- Welche Erfahrungen möchten wir Kindern ermöglichen?
Solche Gespräche schaffen Orientierung.
Sie machen Erwartungen sichtbar.
Und sie ermöglichen gemeinsame Lernprozesse.
Fazit: Lernen sichtbar machen – auch für die Organisation
John Hattie hat mit «Visible Learning» die Frage geprägt, wie Lernen für Kinder sichtbar werden kann.
Mich beschäftigt zunehmend die Frage, wie Lernen für Organisationen sichtbar werden kann.
Organisationale Lernfähigkeit entsteht dort, wo eine Schule ihre Absichten mit ihrer Wirkung in Beziehung setzt und daraus Konsequenzen für ihr weiteres Handeln ableitet.
Genau diese Verbindung zwischen Absicht, Wirkung und Reflexion macht Lernen möglich – bei Kindern genauso wie bei Organisationen.
Vielleicht liegt darin eine der zentralen Herausforderungen heutiger Schulentwicklung:
Nicht nur Lernen für Kinder sichtbar zu machen.
Sondern auch das Lernen der Organisation selbst. Und dafür braucht es eine Einigung über Qualität.
Einladung zum Dialog – Organisationsberatung für Schulen & Bildungsorganisationen
Wenn Du Dich und deine Schule oder Organisation beim Lesen wiedererkennst, klären wir gerne gemeinsam, wo Deine Schule steht, welches Wozu Orientierung gibt und welche nächste stimmige Schleife Sinn macht.
Wir könne euch auf zwei Ebenen begleiten:
- Organisationsentwicklung & Prozessbegleitung für Schulentwicklung: Leitbild, Leitsätze, Wirkungsarchitektur, Strukturen und Feedbackschlaufen.
- Umsetzung & Praxisbegleitung: Pädagogische und fachliche Begleitung von Teams und Führungspersonen, damit Orientierung im Alltag wirksam wird.